Zu krank für den Job: Viele bleiben auf der Strecke – KURIER

KURIER 11/2016 von Patrick Wammerl

Die PVA lehnt bereits mehr als 65 Prozent aller Anträge auf Invaliditätspension ab.

Mit unqualifizierten Gutachten verwehrt die PVA vielen chronisch Kranken eine Rehabilitation. Unser Obmann Mag. Jürgen Ephraim Holzinger und unser Beirat RA Dr. Herbert Pochieser gab dem KURIER ein Interview. Conny Stöger, danke für deinen Mut & deine Bereitschaft deine Geschichte zu teilen.

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Conny Stöger weiß, was es heißt, nicht arbeiten gehen zu können. Die Zahnarztassistentin leidet seit Jahren an einer schweren Form von Morbus Crohn – einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung. „Jeder Arbeitgeber hat nach ein paar Monaten die Geduld verloren und mich wieder auf die Straße gesetzt. Diese Krankheit schränkt einen zu sehr ein“, erzählt die Niederösterreicherin. Um solche krankheitsbedingten Härtefälle aufzufangen, hat der Gesetzgeber die Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension geschaffen. Seit eineinhalb Jahren kämpft die 40-Jährige vor Gericht darum – bisher vergeblich.

„Leider ist sie dabei kein Einzelfall. Bei uns häufen sich die Beschwerden verzweifelter Menschen, denen es ähnlich geht. Die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) geht sehr restriktiv mit den Invaliditätspensionen um“, schildert Jürgen E. Holzinger, Obmann des Vereins „ChronischKrank Österreich“. Der gemeinnützige Verein ist eine Anlaufstelle für kranke Menschen in Notsituationen. „Arbeit haben wir genug“, so Holzinger.

65,8 Prozent Ablehnung

Warum, das zeigt ein Blick in die ausgewiesenen Statistiken der PVA. Im Vorjahr erreichte man dort einen fragwürdigen Rekord, was die Ablehnung von Anträgen auf Invaliditätspensionen betrifft. 65,8 Prozent aller 50.655 Anträge wurden abgelehnt. 2005 lag diese Quote noch bei 52,2 Prozent. Laut Holzinger ist eine deutlich schärfere Gangart seit der Pensionsreform 2014 erkennbar. Ziel der Reform sind natürlich weniger Pensionen und eine raschere Rückkehr in die Arbeitswelt durch Rehabilitation oder Umschulung. Leider gibt es dabei auch viele Verlierer. „Wir haben alleine im vergangenen Jahr 250 Patienten bei Klagen auf Invaliditätspension gegen die PVA vor Gericht unterstützt“, sagt Holzinger. Dass die Pensionsversicherung kategorische Ablehnungen vornimmt, zeige laut dem Verein die Tatsache, dass die Hälfte aller Verfahren für die Antragsteller gewonnen werden.

Dem widerspricht die PVA. „Der Grund dafür, dass Fälle vom Gericht zuerkannt werden, obwohl sie davor von der PVA abgelehnt wurden, liegt oftmals darin, dass sich die zugrunde liegende Krankheit zunehmend verschlechtert“, sagt PVA-Sprecherin, Christina Ochsner.

Quälende Ungewissheit

Conny Stöger kann dieser Erklärung nichts abgewinnen. Zwei Facharzt-Gutachten bescheinigen ihr von Anfang an, dass sie aufgrund ihrer Erkrankung arbeitsunfähig ist. Die PVA lehnte den Antrag dennoch ab. Stattdessen musste die Mutter eines schwer herzkranken Sohnes auf eigene Kosten den Prozess zu einer möglichen Umschulung durchlaufen – mit dem Ergebnis, dass ihre Krankheit auch keinen anderen Beruf zulässt.

Am schlimmsten sei die Ungewissheit seit fast eineinhalb Jahren. Seit Anfang des Jahres bekommt Stöger weder Arbeitslosen- noch Krankengeld. „Das ist existenzgefährdend. Ich lebe von meinem Mann.“ Mittlerweile hat ihr der Verein „ChronischKrank“ den Wiener „Anwalt der Arbeitslosen“, Herbert Pochieser, vermittelt (Artikel unten). „Ihr Fall ist besonders schlimm. Sie war jahrzehntelang als Zahnarztassistentin tätig und hat entsprechende Dienstzeugnisse. Jetzt verlangt man von ihr einen Berufsqualifikationstest. Das ist eine Ungeheuerlichkeit“, sagt der Jurist.

Hier gehts zum KURIER Artikel online.

 

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 Jürgen Holzinger Dr._Pochieser Foto Internet

(v.l. Obmann Mag. Jürgen E. Holzinger, Beirat RA Dr. Herbert Pochieser)

 

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Geschrieben am: 6. Dezember 2016
Author: Mag. Jürgen E. Holzinger
Schlagwörter:
Kategorien: IP und BU Neu für Alle Die Reform der Invaliditätspension, Zeitungsartikel mit ChronischKrank®

10 Kommentare zu “Zu krank für den Job: Viele bleiben auf der Strecke – KURIER

  • Günter sagt:

    Ja ich kenne sowas, ich habe auch geklagt vor 2 Jahren bei der PVA und um Invalititätspension eingereicht und wurde abgelehnt obwohl sogar ein gerichtsgutachter festgestellt hat das ich schweres Asthma habe und schwere Allergien und mein zustand nicht besserbar ist . Ich habe sogar 2 Jahre gearbeitet was aber mit dauernden Krankenständen in die Dienstauflösung geführt hat .Arbeiten bin ich nur deshalb als kranker gegangen weil ich den druck am AMS nicht mehr ausgehalten habe . In der Arbeit habe ich mich mich mengenweiße Kortison zugebumpt und diversen Sprays und heuet geht’s mir dadurch noch schlimmer aber es interessiert niemanden . Nun bin ich am AMS und darf mich wieder diversen Zwangsmaßnahmen hingeben obwohl ich sicherlich nicht mehr arbeitsfähig bin. Ich hatte eine Anwaltliche Vertretung die war wirklich sehr nett und hatte alles versucht aber leider erfolglos denn das Gericht interessiert das alles nicht sie holen sich Gegengutachten bis zum geht nicht mehr und legen sich das so zurecht das man abgelehnt wird ,sie sagten mir keine Krankenstände voraus na das ich nicht lache ich war dauernd krank in der Arbeit Krankenstände ohne ende. Für die frau die oben beschrieben wird tut es mir Leid aber so ist es nun mal in Österreich besonders wenn man sich keinen Anwalt leisten kann von Anfang an dann verliert man so wieso.

  • Schirnhofer Franz sagt:

    Ich bin Franz,57 habe vor 6Jahren meinen Job aus gesundheitlichen Gründen verloren. Am Arbeitsmarkt nicht mehr vremittelbar.
    Von der PVA bereits 4 mal abglehnt. Die Ärzte ignorieren einfach Befunde die ich von meinen behandelnden Fachärzten mitgebracht habe.
    Und keiner will zuständig für diese Sauerei sein. Bitte um Hilfe

  • BERGER sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren!!

    Ich bin auch ein besonders schwerer Fall. Mit 13 Jahren schon Depressionen und Panikattacken und eine Fehlstellung der Wirbelsäule. Ich ging damals Haltungsturnen. Meine Familie kümmerte sich sehr um mich. Damals hatte ich meine Mutter verloren an Krebs mit 39, ich war 12. Dann begann mein Leidensweg erst so richtig. Tausende Psychiater, tausende Psychologen, etliche Spitalsaufenthalte, immer andere Medikamente. Ich habe es einfach satt. Ich erhielt endlich Pension im Jahre 2012 und 2013. Nur begrenzt auf 2 Jahre. Auch habe ich einen Sachwalter, mein jetziger Sachwalter Dr. Hofer-Zeni hat die PVA geklagt. Den nächsten Termin für ein Sachverständigengutachten habe ich am 14. Juli um 10h, es ist ein Orthopäde. Dann diese ewige Warterei!! Es ist weder körperlich und schon gar nicht psychisch auszuhalten. Gestern bin ich zusammengebrochen und habe fast den ganzen Tag nur geschlafen. Ausserdem leide ich noch an starkem Übergewicht, was mir die WEGE zu den Ärzten auch nicht gerade leichter macht, aber ich arbeite an mir in jeder Hinsicht. Gemeinsam sind wir stark. Bitte um Kontaktaufnahme. DANKE IHNEN SEHR!!! mfg. BERGER

  • Anita Hausegger sagt:

    Leide seit meinem 19 zenden Lebensjahr unter Morbus darier , habe einen Herzschrittmacher , Bandscheibenvorfälle in der HWS und Lws verschiedene OP von Mandel Galle usw 2008 Burn out und jetzt steht Fibromyalgie im Raum .Habe 2017 Jänner Invaliditätspension angesucht abgelehnt . März von TGKK ausgesteuert April Arbeitslosegeld zu ende Bekomme jetzt nichts Keine Notstandshilfe Da mein Mann zu viel verdient . Habe Klage eingereicht und muß einfach warten . Ich kann schön langsam nicht mehr , Gott sei dank habe ich meinen MANN !! Das ist die kurz Fassung meines Leidensweges. LG. Anita Hausegger

    • Dipl.-Wi. Ing.(FH) Christian Gugenberger, MBA sagt:

      Liebe Frau Hausegger, die Zurechnung des Partnereinkommens bei der Notstandshilfe wurde vor den Wahlen noch gestrichen, so dass diese Zurechnung ab 01.07.2018 nicht mehr geltende Rechtslage sein wird, es sei denn, dass bis dahin die Notstandshilfe überhaupt abgeschafft wird, so wie es in den Medien kommuniziert wird und aus dem Regierungsprogramm der neuen Regierung interpretierbar ist. Demzufolge ist es geplant, dass die Notstandshilfe in der Mindestsicherung aufgehen wird. Leider keine sehr aufbauende Mitteilung. gerne bietet Ihnen unser Team einen Beratungstermin an. LG C.G

  • Ursula Seewald sagt:

    Mein Lebensgefährte ist 54 Jahre leidet seit 2002 an Morbus Crohn. Bis zum Jahr 2013 nahm er regelmäßig Cortison bis es schließlich zur Operation kam.( Herausnahme von 25 cm Darm).
    Bis dorthin haben wir 4 x – sogar das letze Mal mit Anwalt,denn ich habe einen Rechtsschutz – eine Invalidenpension beantragt. Immer wieder wurde er abgewiesen, mit der Mitteilung, dass es sowieso in der nächsten Zeit keine Krankenstände geben wird. Möchte nur wissen, woher die untersuchenden Ärzte auf der PVA diese Vermutung nehmen, wenn sie diese Krankheit nicht haben. Auch hat das Gericht seine Befunde nicht interessiert. Und die Aussage, er kann ja einen Job als Portier annehmen,kostet uns einen Lacher. Sogar unser Anwalt verstand die Welt nicht mehr. Bei diversen Untersuchungen über das AMS wurde ihm gesagt, dass evorallem im Job eines Portiers einen 2. neben sich haben muss,da eine Portierloge nie alleine gelassen werden darf.
    Auch wurde er am AMS für den 1. Arbeitsmarkt herausgenommen. ER bekommt nicht einmal Jobangebot über die Aktion 20.000.
    Im November 2016 kam dann noch eine Bauchoperation ( Bauchbruch mit 8 cm Durchmesser) dazu, in der er ein 30 x 30 großes Netz eingepflanzt bekommen hat.
    Seine Depressionen sind dadurch noch mehr geworden, wobei er sich in die Behandlung eines Psychiaters begeben hat. Er hatte auch schon 2,5 Jahre Gesprächstherapie hinter sich, aber die Existenz Angst frisst ihn natürlich auf.
    Er hat sich innerlich aufgegeben und spricht öfters, dass er nicht mehr am Leben bleiben möchte. Eine tolle Zukunft, die durch nichts ahnende Ärzte auf der PVA, kaputt gemacht wird.
    Ich musste diesen Bericht schreiben, denn auch meine Kräfte sind bald am Ende.
    Lg Ursula

  • Dipl.-Wi. Ing.(FH) Christian Gugenberger sagt:

    Liebe Frau Seewald, gerne wird Ihnen unser Team einen Beratungstermin anbieten. LG C.G

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